Archiv : Morgaine Schäfer


MORGAINE SCHÄFER, The Body in Perpetual Motion, 2015, (Detail) bedruckte Folie auf Fenster, 17 x 2,3 m, Installationsansicht, Buchhandlung Walther König, Düsseldorf. Courtesy die Künstlerin.
MORGAINE SCHÄFER, The Body in Perpetual Motion, 2015, (Detail) bedruckte Folie auf Fenster, 17 x 2,3 m, Installationsansicht, Buchhandlung Walther König, Düsseldorf. Courtesy die Künstlerin.

Schon für unsere Eltern war das fotografieren Normalität. Die Bilderflut wurde damals erst durch Fotoalben, dann durch Diakästen kategorisiert, katalogisiert und konserviert. Unmengen solcher Archive stauen sich in den Wohnzimmer Einbauschränken, in den Kellern und anderen vergessenen Orten unserer Kindheit. Jedes dieser ist ein Fundus an Gesichten die uns nur durch orale Überlieferung erhalten sind.

MORGAINE SCHÄFER, Archive No. 1056 (Woman In Front Of A Crowd), 2014, Inkjetprint, 70 x 110 cm. Courtesy die Künstlerin.
MORGAINE SCHÄFER, Archive No. 1056 (Woman In Front Of A Crowd), 2014, Inkjetprint, 70 x 110 cm. Courtesy die Künstlerin.

Das Foto eines alten Motorrads das vor dem Hintergrund mediterraner Kreidefelsen und karger Böschung keine weiteren Informationen preisgibt. Doch durch ein kurzes Gespräch wird klar das es ein signifikanter Moment im Leben der Eltern war, der letzte Urlaub vor der Hochzeit, der letzte Urlaub bevor die Kinder da waren. Ein letztes Mal gemeinsam Alleinsein. Eine beruhigende Einsamkeit die auch aus diesem Motiv hervor geht und so langsam eine Verbindung mit uns aufbaut.

MORGANEN SCHÄFER (*1989, in Wolfsburg) arbeitet genau mit solchen Bildern, den vergessenen Gesichten aus den vergessenen Orten, die doch so wichtig für die eigene Existenz sind. In ihrer Archive-Serie reiht sie sich durch eine einfache Geste in die Geschichte ein. Archive No. 1056 (Woman In Front Of A Crowd)(2014) zeigt ein Selbstportrait der Künstlerin vor einem weißen Hintergrund, wie sie ins Profil gedreht ein kleines Objekt zwischen den Fingern ihrer rechten Hand hält und dem Betrachter zeigt. Ihr Blick geht dabei ins Leere, scheint aber das Dia zu streifen. Auf dem Dia selbst sehen wir eine Frau im Trenchcoat mit Sonnenbrille die auf einem breiten Gehweg in einem Park steht und sich von der Kamera abwendet. Während sich die Künstlerin selbst einem Austausch mit dem Betrachter verschliesst tritt die Person auf dem Abzug in ihrer Hand in den Vordergrund. Sie sucht den Austausch, den Kontakt.
SCHÄFER, die bei Christopher Williams in Düsseldorf studiert, lenkt den Blick auf das was schon existiert. Foundfootage ist nichts neues in der Kunst, der Umgang der jungen Künstlerin damit jedoch ungewöhnlich. Durch die Verschränkung von Vergangenheit und dem Jetzt, der latenten Abwesenheit von Kontakt und den wohl bedacht ausgewählten Dias schafft sie eine ungewöhnliche Spannung zwischen Material-, Bild- und Erzählebenen.

Noch bis Sonntag gibt es ihre Ausstellung “The Body in Perpetual Motion” in der Buchhandlung Walther König in Düsseldorf (Kunsthalle Düsseldorf) zu sehen.

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