Bruxelles Insights #1


First things first

Ein Gastbeitrag von Fay Lazariotis

Von Mäusen, Kunst, Platzangst und „The New Berlin“ – was zwei Monate in Belgiens Hauptstadt mit einer jungen Kunsthistorikerin machen erzählt sie uns höchstpersönlich und brühwarm in ihren Insights alle zwei Wochen.
"The best Technoclubs in Brussels are located in between Greek restaurants." Photo by flavor_fay / INSTAGRAM
“The best Technoclubs in Brussels are located in between Greek restaurants.” Photo by flavor_fay / INSTAGRAM

Nahe des Botanischen Gartens, im zentral gelegenen Viertel Saint Josse ten Noode in Brüssel, habe ich vor drei Wochen mein gefühlt acht Quadratzentimeter großes Zimmer bezogen und jeden Tag erfreue ich mich der schönen Aussicht, die ein sechster Stock ohne Aufzug mit sich bringt. Ab und zu flitzt eine Maus durch mein Zimmer, die ich mittlerweile Eyck getauft habe.

Ich habe mich nach Brüssel aufgemacht, um an den Königlich-Belgischen Kunstmuseen zu arbeiten. Meine Aufgabe in den kommenden Wochen ist es, bei der Vorbereitung der im nächsten Jahr stattfindenden Ausstellung „The New Berlin. 1912–1932“ zu helfen. Der Fokus liegt hierbei auf belgischen und deutschen Künstler*Innen wie Kurt Schwitters, Jeanne Mammen oder auch Jozef Peeters, die sich im Berlin der Zwischenkriegszeit kreativ auslebten.

Da ich eine recht volle Arbeitswoche hatte (Ich bearbeitete erstmal vor allem Leihanfragen, übernahm Recherchen und Kontaktaufnahmen mit Filmverleihen und fragte Lizenzen an), hatte ich am Wochenende endlich richtig Zeit, mir ein bisschen die Museen und Galerien um mich herum anzuschauen.

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I'm gonna touch the works of art

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Das Fin-de-Siècle Museum hat erst im Dezember vergangenen Jahres aufgemacht und gilt als Nachfolger des Museums für moderne Kunst. Hier findet man Kunstwerke von 1865 bis 1914, unter anderem den Denker von Rodin, Jugendstilmöbel von Victor Horta oder auch die schön skurillen Maskenbildnisse von James Ensor.

Im Botanischen Garten, in dem man sehr schön neben leicht bekleideten Statuetten flanieren kann, habe ich, etwas versteckt im linken Flügel, eine kleine Galerie entdeckt, die junge Künstler*Innen fördert. Letzte Woche fand die „Nuit Blanche“ statt, auf die ich auch nur durch Zufall gestolpert bin. Ich habe hier überhaupt das Gefühl, dass man manchmal einfach nur fein aussehenden Menschenmassen folgen muss und prompt an ein fantastisches Ziel kommt – auch wenn es nur ein Waffelstand ist. Die „Nuit Blanche“ findet jedes Jahr am ersten Samstag im Oktober statt und bringt verschiedene Kunstformen an einem Abend zusammen, wobei sich hier eher auf interaktive Performances, Installationen und Multimedia-Projektionen konzentriert wird.

“The heat is on with this fancy pal.” Photo by Photo by flavor_fay / INSTAGRAM

Es geht wohl ein bisschen darum, die Straßen der Stadt für eine Nacht zurückzugewinnen und Brüssel sowie moderne Kunstformen neu kennenzulernen. Man kann hier Menschenmassen beobachten, die sich um Spielplätze, Schaufenster, Kirchen oder U-Bahn-Haltestellen scharen, um den neuen heißen Scheiß der belgischen Kunstszene mitzuerleben. Ich hatte das Glück auf eine interaktive Performance namens „HUG“ zu stoßen. Denn alle Anwesenden – mich mit eingeschlossen – bekamen die Augen verbunden, ein Chor sang und die Musikant*Innen umarmten zeitgleich das Publikum. Meine Musikantin roch gut und konnte sehr schön singen.

Gespannt bin ich jetzt erstmal auf die „Nocturnes“, die es Besuchern bis zum 7. Dezember noch ermöglicht, jeden Donnerstagabend bis zu fünf Museen frei zugänglich oder für einen kleinen Preis zu besichtigen. Bis zu 100 Museen werden in diesem Rahmen ihre Tore öffnen – die Museen des jeweiligen Donnerstages werden immer erst kurz vorher bekannt gegeben.

Des Weiteren findet morgen die Vernissage der neuen Magritte Ausstellung „Magritte – Broodthaers & Contemporary Art“ statt, zu der man mich freundlich auf der Arbeit eingeladen hat. Nun habe ich allerdings herausgefunden, dass man sich irgendwo irgendwie vorher hätte eintragen sollen – daher beabsichtige ich, vielleicht einfach einen großen Hut zu tragen und so zu tun als sei ich wer, um vielleicht doch noch hineingelassen zu werden.

Ich berichte in zwei Wochen!

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