Das EX14 in der Dresdner Neustadt feiert Re-Opening!


Nach längerer Renovierungspause öffnete das EX14 am letzten Donnerstag (12.04.2018) am Albertplatz in der Dresdner Neustadt endlich wieder seine goldene Tür und startet mit einer Gruppenausstellung der Mitglieder in die neue Saison.

“We are back!”. Große Wiedereröffnung im EX14.

Als ich mich dem Raum vom Albertplatz aus nähere, durchströmt ein eigenartiger Geruch meine Nase. Ein süßliches Gemisch aus Lösungsmitteln und anderen undefinierbaren Nuancen. Beim Betreten findet sich schnell der Verursacher: Der einstige graue Filz, der dem EX14 immer diesen 90er Bürocharme gab, ist einem glatten, lackierten Boden gewichen. Ich muß zugeben, der spezielle Farbton aus einem Arrangement von Pistazie, Schlamm und Karamell ist gewöhnungsbedürftig, aber und das ist das Gute: Man gewöhnt sich überraschender Weise relativ schnell daran.

So einen Boden zu streichen ist eine große Veränderung. Daher nahmen die Mitglieder des Off-Spaces diese Erneuerung auch gleich in den Titel der aktuellen Ausstellung auf. Als “BODENSCHAU” präsentieren die Künstler*innen vom EX14 in einer Gruppenausstellung ihren Arbeiten und stellen ihre Vielseitigkeit unter Beweis.

Mit Robert Czolkoß, Antonia Kamp, Vanessa Knopp, Hanna Kucera, Anita Müller, Layla Nabi, Johanna Seidel und Theresa Tuffner gibt es viel zu entdecken. Erstmal bin ich überfordert, vielleicht ist es mir ein wenig zu voll, aber andererseits: Was paßt zu einem großen Re-Opening besser, als sich vorzustellen? Und so ist diese Ausstellung nicht einfach eine Ausstellung, sondern auch ein “Meet & Greet”. Um einfach mal zu sagen: “Hey, wir sind zurück und das sind wir, jeder verschieden und auf seine/ihre Art an einem anderen künstlerischen Thema interessiert. Wir verzichten auf das Kuratieren und jeder/jede darf zeigen was er/sie möchte.” Das sorgt dann am Ende zwar bei mir für ein Völlegefühl, zeigt aber eben auch, dass hier viele Menschen mitmischen, um diesen Off-Space mit Leben zu füllen!

Richtig gute Idee: Ein Stück Filz-Vergangenheit als Edition für 3,95 Euro.

Und dieser Teamgeist findet sich wunderbar in einer gemeinschaftlichen Idee wieder, die mir relativ schnell im Eingangsbereich ins Auge springt: Der ehemalige graue Filzboden wurde in kleine rechteckige Stücke geschnitten, eingetütet, signiert und als Edition angeboten. Da kann ich natürlich nicht nein sagen und sichere mir sofort ein Stück “prominenter” Vergangenheit.

Bis in die späten Abendstunden bleibt es voll im EX14, das Wetter ist gut, wie die Stimmung. Man merkt: Die Menschen haben sich danach gesehnt, dass künstlerisch endlich wieder was passiert, hier am Albertplatz.

Eine Sache brennt mir dann allerdings doch noch auf der Seele: Einen Tag vor der Eröffnung der Ausstellung fand am Mittwoch (11.04.2018) ein Pressegespräch zur Reinvestur von Matthias Flügge als Rektor der Kunsthochschule statt. Dort sprach der wiedergewählte Rektor auch über die Situation der Projekträume in Dresden und ihre prekäre finanzielle Situation.

„Künstlerische Produktion in die Öffentlichkeit zu vermitteln, ist für uns lebensnotwendig. Für das Leben in der Stadt ist es wichtig, dass die jungen Künstler hierbleiben”, so Flügge. 

Wie ich schon in meinem letzten Artikel über den neuen Projektraum Schimmel Projects in Pieschen angemerkt habe, brauchen die Off-Spaces mehr Engagement seitens der Politik und mehr Verständnis. Auch beim EX14 wird gearbeitet ohne Lohn! Hier wird Kunst vermittelt, ein Angebot geschaffen und Austausch über die Stadtgrenzen Dresdens hinaus betrieben. Immer jedoch mit der Angst vor einer dunklen Zukunft. Wie soll sich eine lebendige Off-Space-Szene nachhaltig entwickeln, wenn alle Akteur*innen mit der ständiger Gefahr leben, das ihnen früher oder später einfach das Licht ausgemacht wird?

Und daher gilt mein Lob natürlich Euch, liebes Team vom EX14. Ihr alle beweist einmal mehr, dass sich Engagement für eine Sache auszahlen kann. Auch die Vorschau auf die kommenden Ausstellungen in diesem Jahr macht mir richtig gute Laune! Weiter so und wir sehen uns ganz bestimmt…

Christian Raetsch

written by Christian Raetsch

founder of VASISTAS, administrator, project-coordinator | Diploma in Fine Arts, lives and works in Dresden, Germany

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