Es gibt jetzt einen neuen Off-Space in Dresden (Nicht in der Neustadt!)


Bereits am 26. Oktober feierte der Schimmel Projects – Art Center (Kurz: SP-ACE Dresden) auf der Großenhainer Straße 61-63 mit der Ausstellung “YAOI” der dänischen Künstlerin Lotte Nielsen seine Eröffnung.

Hinter dem neuen Projektraum stehen die beiden Künstler Philipp Putzer und Rasmus Roos Lindquist. Beide Stipendiaten und Studenten an der HfBK Dresden. Nachdem Ende 2016 das Karambolage auf der Konkordien Straße/Oschatzer Straße seine Tore schliessen musste, bekommt Pieschen jetzt einen neuen Ort zum austoben, probieren und ausstellen.

Die Eröffnung am 28. Oktober war schon mal gut besucht. Weiter so!
Die Eröffnung am 28. Oktober war schon mal gut besucht. Weiter so! Foto: Rasmus Roos Lindquist

Auf die erste Ausstellung folgte bereits eine weitere. Vom 23. November bis 3. Dezember zeigten die beiden Künstler Alan Bolumar & Felix Schiffmann unter dem Titel “Archives of Transitions” dort ihre Arbeiten. In einem vor Ort entstandenen Projekt, versuchten sich beide Künstler mit der Distanz zwischen Bild und Betrachter und der Wirkungsweise von Bildern, in einer von Massenmedien geprägten Welt, auseinanderzusetzen. Kuratiert wurde das ganze vom Künstler Michael Broschmann.

Eines wird bei den Ausstellungen deutlich: Der Fokus liegt ganz klar auf Internationalität. So kamen die bisherigen Künstlerinnen und Künstler aus Dänemark, der Schweiz und Frankreich. Und das ist auch genau im Sinne der beiden Betreiber. Wie Rasmus mir erklärt, soll gerade dadurch eine verstärkte Vernetzung der Dresdner Kunstszene und anderen nationalen und internationalen Künstlern erreicht werden. Bleibt zu hoffen, dass dieses Konzept aufgeht. Wissen wir doch, aus eigener Erfahrung als Projektraum-Betreiber, nur zu gut, wie schwer sich die Off-Szene und das Publikum in Dresden auf ausländischen Positionen einlässt.

Das ehemalige Ladengeschäft bietet jedenfalls genug Platz und Räume für die Kunst. Zusätzlich zum temporären Ausstellungskonzept versuchen die beiden Betreiber eine Bibliothek zu etablieren. Sie ist über eine kleine Treppe am Ende des größeren Ausstellungsraumes zu erreichen. Wie ich finde, eine tolle Idee, um die Leerräume zwischen den Ausstellungen zu nutzen und Menschen einzuladen, den Raum auch neben seiner eigentlichen Funktion als Präsentationsfläche zu begreifen.

Super gemütlich: Die kleine Bibliothek des Projektraumes. Das Sofa ist nicht nur richtig bequem, sondern eine künstlerische Arbeit von Dominik Schäfer. Foto: Raiko Sánchez
Super gemütlich: Die kleine Bibliothek des Projektraumes. Das Sofa ist nicht nur richtig bequem, sondern eine künstlerische Arbeit von Dominik Schäfer. Foto: Raiko Sánchez

Bleibt noch eins zu klären: Wieso nennt man einen Raum “Schimmel”? Bei meinem Besuch jedenfalls ist mir davon an den Wänden keiner entgegengekommen. Wie Philipp mir verrät, ist es als Metapher zu verstehen. Der Raum und die in ihm befindliche Kunst sollen, wie Sporen, auftauchen, verschwinden und sich ausbreiten. Nach kurzem Überlegen baut sich auf meinem Gesicht ein Schmunzeln auf und ich stelle fest: Eine gelungene Analogie!

Und das leidige Thema der Finanzen ist vorerst auch geklärt. Denn Rasmus und Philipp nutzen für die monatliche Miete das Geld, das ihnen durch die Stipendien ausgezahlt wird. Es zeigt: Projektraum-Betreiber sind selbstlos! Gerne opfern sie eigene finanzielle Sicherheiten, um der Stadt und ihren Bewohnern ein kulturelles Angebot anzubieten. Ein weiterer Grund für die Stadt, die freie Szene endlich als wichtigen Impulsgeber und Protagonisten wahrzunehmen und besser zu unterstützen.

Philipp Putzer war übrigens in unserer letzten VASiSTAS TV Show zu Gast. Dort spricht er nicht nur über seine eigene Kunst und performt live. Nein, wir reden natürlich auch über seinen neuen Offspace.

Philipp Putzer und Rasmus Roos Lindquist (v.l.n.r) Foto: Rasmus Roos Lindquist
Philipp Putzer und Rasmus Roos Lindquist (v.l.n.r) Foto: Rasmus Roos Lindquist

Wir wünschen den beiden jetzt erstmal viel Erfolg mit ihrem “Baby” und sehen uns alle auf einer der zahlreichen, zukünftigen Ausstellung auf der Großenhainer Straße 61-63 im feinen Pieschen! Zum Beispiel zur kommenden Ausstellung “MASSE” mit Kilian Heindl und Shin Oh Nam.

Noch mehr Infos zum Raum gibt’s auf Facebook und Instagram!

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written by Christian Raetsch

founder of VASISTAS, administrator, project-coordinator | Diploma in Fine Arts, lives and works in Dresden, Germany

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