DIE ARBEITERKLASSE FLIEGT INS PARADIES

Christian Rätsch zeigt VASiSTAS featured artists

DIE ARBEITERKLASSE FLIEGT INS PARADIES

mit JOÃO PEDRO AMORIM

Eröffnung: 21.04.2017
Ausstellungsdauer: 22.04. – 23.04.2017

Öffnungszeiten: Samstag – Sonntag: 16 – 19 Uhr und nach Vereinbarung


Mit „Die Arbeiterklasse fliegt ins Paradies“ greift João Pedro Amorim auf, wie immaterieller Cyberspace einst als Möglichkeit einer anarchistischen Utopie geträumt wurde, als eine Antwort auf das soziale Versagen des Neoliberalismus. Und wie mit der Entwicklung des Internets diese neue technologische Kraft ebenso Teil ökonomischer Macht wurde, so wie die potentielle Stärke der Digitalisierung immer mehr zu einem Instrument der Kontrolle.

Ganz wie in dem Film „La Classe Operaia va in Paradiso“ (1971, Elio Petri). Der erzählt die Geschichte von Lulu, eines hart arbeitenden Fabrikarbeiters, der in einem Arbeitsunfall seinen Finger verliert und daraufhin beginnt, die Struktur der fordistischen (Anm. Form industrieller Warenproduktion, benannt nach Henry Ford) Gesellschaft zu hinterfragen. Dort ist das Paradies die letzte Stufe eines wachsenden Wahnsinns: Lulu träumt von sich selbst und seinen Kollegen in wolkenumnachteter Umgebung.

Nachdem sie verschiedene Selektions-Etappen absolviert haben, schicken die Arbeiter mit pixelisierten Gesichtern ihr Publikum auf eine Reise in ein Flugzeug, das sie ins Paradies befördert: Eine digitale Version der Welt, ein Netzwerk von lo-fi Bildern. Die Ankunft bleibt ungewiss, hier dokumentiert João Pedro Amorim in seiner Arbeit die Reise der Digitalisierung unserer Welt.

Man kann die mangelnde Bildqualität als den „Proletarier einer Bild-Hierarchie“ beschreiben – so wie Hito Steyerl es in ihrem Essay „In Defense of the Poor Image“ tat. Das macht das „mangelhafte“ Bild zum idealen Werkzeug für die post-fordistische Gesellschaft, obwohl es gegen den fetischisierten Wert hoher Auflösung operiere, so Hito Steyerl, während genau das der Grund sei, warum es sich perfekt in den Informations-Kapitalismus integriere und in verdichteten Aufmerksamkeitsspannen gedeihe. Anders ausgedrückt: Es ist prekär. Das gleiche gilt für die Arbeiter: Während sie einerseits Lieblingswerkzeug großer Unternehmen sind, um das große Geld zu machen, sind sie doch nur die Verkörperung des verfehlten, kapitalistischen Amerkanischen / Europäischen Traums.


With his work „the working class flies to paradise“ João Pedro Amorim describes how immaterial cyberspace was once dreamt as the possibility of an anarchist utopia – as an answer to the social failure of neoliberalism. With the internet’s development, the new forces of technology became also part of economic power and the potential power of the digital world is increasingly used as an apparatus of control.

Just like in the movie „La Classe Operaia va in Paradiso“ (1971, Elio Petri). It tells the story of an hardworking factory employee, Lulu, who starts questioning the structure of the fordist society after losing his finger during a work-related accident. Here the paradise is the last stage of an increasing madness that affects him who dreams of himself and his co-workers wandering in a cloudy environment. After passing through several stages of selection, in our proposed dream, precarious workers with pixelated faces and bodies guide the audience into the aircraft that will take it to paradise: a digital version of the world, a network of lo-fi images. The arrival remains unknown, as the artworks document the journey of the digitalization of the world.

One can describe the poor image as the prole of image hierarchy – as Hito Steyerl did in her essay “In Defense of the Poor Image”. The poor image is the ideal tool for the post-fordist society; even though “it operates against the fetish value of high resolution”, as Hito Steyer says, ”this is precisely why it also ends up being perfectly integrated into an information capitalism thriving on compressed attention spans” – in other words – it’s precarious. The same goes for precarious workers – at the same time as they’re the preferred tool for big companies to make big money, they are the embodiment of failure of the capitalist American/European Dream.


Photo by Pierre Vlček