Reminder: “Berlin / Babylon – Film und Kunst in der Weimarer Republik”


written by Isabella Engelhardt

Professor Jürgen Müller von der TU Dresden startete mit “Nosferatu” den Auftakt zu seiner dreiteiligen Vortragsreihe “Berlin/Babylon – Film und Kunst in der Weimarer Republik” im Dresdner Residenzschloss. Wer Teil II nicht verpassen möchte, sollte sich den 07. Mai unbedingt im Kalender notieren. Für uns hat der Professor für Kunstgeschichte das Wichtigste zusammengefasst:

Nur wenige Phasen der Kulturgeschichte waren derart innovativ wie die zwanziger Jahre in Deutschland, entstanden in jener Zeit doch Filme und Kunstwerke, die uns noch heute faszinieren. Vor allem die Spielfilme von Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau und Ernst Lubitsch, um nur wenige Regisseure zu nennen, zählen zu den Klassikern der Filmgeschichte.

Ausschnitt aus dem Film “Nosferatu”.

Was das deutsche Kino von damals auszeichnet, ist die Verbindung anspruchsvoller Themen und fortschrittlicher Technik. Die Kultur stand unter Innovationsdruck und Originalitätszwang. Nicht selten wurde die Vielfalt und Gleichzeitigkeit der unterschiedlichen Kunstanstrengungen durchaus in kritischer Absicht mit der babylonischen Sprachverwirrung verglichen. Regisseure wie Lang oder Murnau erachteten den Film als die legitime Kunstform des 20. Jahrhunderts und wollten als „Maler“ wahrgenommen werden.

Die Vortragsserie will drei exemplarische Werke vorstellen, die nichts weniger als die Geschichte ihrer Gattung mitgeprägt haben und zugleich von den Krisenerfahrungen jener Zeit sprechen. Murnaus Horrorfilm „Nosferatu“ aus dem Jahre 1922 ist der erste Langspielfilm, der sich dem Thema des Vampirs widmet und sich durch alptraumhafte Bilder auszeichnet. „Metropolis“ von Fritz Lang aus dem Jahre 1927 war der teuerste Film der UFA und ein Meisterwerk der Tricktechnik, wurden für ihn doch eigens neue Verfahren entwickelt. Nur wenige Werke des 20. Jahrhunderts haben eine derart beeindruckende Vision einer riesigen Zukunftsstadt entworfen wie dieser Science-Fiction-Film um einen künstlichen Menschen.

Schließlich soll mit „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ein zweiter Film von Fritz Lang vorgestellt werden. Unter Kritikern gilt er seit langem als einer der zehn besten Filme überhaupt. Der Thriller beschreibt die Jagd nach einem Kindermörder in Berlin und erzählt von den Ängsten der Großstadt und ihrer Anonymität. In den bestehenden Interpretationen des Films wurden nicht selten Vergleiche mit Gemälden von Otto Dix und George Grosz vorgenommen.

Ausschnitt aus dem Film „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“.

Die Vorträge bemühen sich, die politische Ikonographie der genannten Filme aufzuzeigen und die damit verbundenen Krisenerfahrungen zu benennen. Besondere Berücksichtigung soll dabei das Verhältnis von Film und Kunstgeschichte finden. Im Rahmen der Analysen werden zahlreiche Filmausschnitte und Standbilder gezeigt, so dass man auch ohne genaue Kenntnis des jeweiligen Films folgen kann. (Es findet keine vollständige Aufführung der Filme statt! Dies ist auch nicht nötig, da man sich alle Filme vorab kostenlos auf YouTube anschauen kann, wo sie zum Teil sogar in restaurierter Fassung vorliegen.)

 

Termine

19.04.2018: Nosferatu (1922)
Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Nadler Saal, 18.30


07.05.2018: Metropolis (1927)
Regie: Fritz Lang
Nadler Saal, 18.30


28.06.2018: M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931)
Regie: Fritz Lang
Nadler Saal, 18.30


 

 

Prof. Dr. Jürgen Müller hat seit 2002 den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der TU Dresden inne. Er hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zum Film verfasst.

Vielen Dank an Professor Müller für die Bereitstellung des Textes.

written by VASiSTAS Blog

Isabella Engelhardt, Kerstin Klink, Maria Radke & Paula Wunderlich are writing for the VASiSTAS-Blog and support you with the latest reviews, interviews and texts on the contemporary art scene.

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