Zerrissene Gesellschaft: Eröffnung des 8. Festivals für Fotografie f/stop in Leipzig


Wie zerrissen ist unsere Gesellschaft eigentlich? Die Frage stellt sich nicht erst seitdem Donald Trump im Oval Office spukt.

Am 22. Juni um 19 Uhr eröffnet die achte Ausgabe des Festivals für Fotografie f/stop in der Baumwollspinnerei in Leipzig und stellt sich der Herausforderung, das Gesellschaftliche im Fokus durch Fotografie zu betrachten.

Andreas Rost, ohne Titel / untitled, 1990.

Denn das Kurator*innen-Team um Anne König und Jan Wenzel von Spector-Books fragt, wie Fotografie heute als Medium des Demokratischen und der Vermittlung funktionieren kann – trotz aller Zerrissenheit und dem Phänomen der Abkapselung in der “eigene Blase”. Das zeigt das Festival in der Baumwollspinnerei und anderen Orten in Leipzig und Halle/Saale vom 23. Juni bis 1. Juli. 

Neben Fotografie legt das Festival in diesem Jahr auch einen Schwerpunkt auf Zeichnungen und Graphic Novel (im Sinne eines Korrektivs und Gegenüber der Fotografie). Ergänzend gibt es auch in diesem Jahr wieder ein Filmprogramm und ein Symposium.

Im Mittelpunkt steht aber die Frage nach der Fotografie, wie sie nicht nur als Medium zur Verstärkung eines zunehmenden Abkapselungsprozesses, aka zur Bildung der berühmten Blase, sondern als fotografische Begleitung von Kommunikationsprozessen funktionieren kann ohne dabei Vielfalt und unterschiedliche Ansichten zu untergraben.

Ludovic Balland New York, NY aus der Serie: American Readers at Home 2016

Einen Vorgeschmack bekamen die Besucherinnen und Besucher bereits am 19. Juni, denn da eröffnete im Rahmen der f/stop In Situ der Bild-Text-Essay „1990 freilegen“ auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig.

Mit Fotografien von Andreas Rost, Textcollagen von Elske Rosenfeld, Notizen aus dem Jahr 1990 von Christian Borchert und Texten von Jan Wenzel wird hier exemplarisch gezeigt, wie Fotografie als ein Mittel der Vergegenwärtigung und Erinnerung dabei helfen kann, einen gesellschaftlichen Diskussionsprozess anzustoßen und als dessen Katalysator zu dienen. Vergleicht man die Jahre 1989 und 1990, fällt auf, dass sie in der kollektiven Erinnerung höchst unterschiedlich präsent sind. Aber: Wer sich mit dem Erfolg populistischer Bewegungen in Ostdeutschland auseinandersetzen will, muss das Jahr 1990 freilegen. Fotografie kann bei dieser Rückkehr in die Vergangenheit eine Hilfe sein.

8. Festival für Fotografie f/stop Leipzig. Zerrissene Gesellschaft
23. Juni – 1. Juli 2018, Baumwollspinnerei und weitere Orte

Eröffnung: 22. Juni 2018, 19:00 Uhr Leipzig, 21:00, f/stop Party im Garten neben Halle 12 und ab 23:00 weiter im V/Halle 16 mit: Carlotta Jacobi (Feat. Fem), Kanne (iilW), Dorothy Parker (Cry Baby), CMD Q (KaNN), Qnete (777 recordings) 

f/stop Symposium „Vom Nachwirken der Bilder. Plenum zu politischen Debatten und Praxen visueller Teilhabe“, 23. und 24. Juni 2018 in der Halle 14 auf der Spinnerei 

f/stop Film, 26., 27. und 28. Juni 2018, Luru Kino auf der Spinnerei „Weil man ja Einzelteile besser und leichter übernehmen kann als intakte Gebilde“ (Lene Berg, Declan Clarke, Assaf Gruber, Laura Horelli, Alexander Kluge, Deimantas Narkevičius, Rosalind Nashashibi, Edgar Reitz, Nicolas Siepen, Andrea Luka Zimmerman)

Künstlerische Leitung: Anne König, Jan Wenzel
Festivalleitung: Daniel Niggemann
Kurator/innen: Krisztina Hunya (HU), Sarah Schipschack, Leif Magne Tangen (NO)
Künstler/innen: Ludovic Balland (CH), Christian Borchert (DE), Paula Bulling (DE), Forensic Architecture (UK), Christian Gesellmann (DE), Nicolas Giraud (FR), Ayşe Güleç (DE), Jonathan Horowitz (US), Susanne Kriemann (DE), Alexander Kluge (DE), Ludwig Kuffer (DE), Ferdinand Kriwet (DE), Andreas Langfeld (DE), Ute Mahler (DE), Elisabeth Neudörfl (DE), Ana Teixeira Pinto (DE), Anastasia Potemkina (RU), Timm Rautert (DE), Elske Rosenfeld (DE), Miklós Klaus Rózsa (CH), Andreas Rost (DE), Andrzej Steinbach (DE), Bertrand Stofleth (FR), u.a.

Miriam Klugmann

written by Miriam Klugmann

editor, author & press-coordinator | M.A. of literature science, lives and works in Leipzig

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