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Immer mehr Künstler*innen äußern Kritik am Konzept der DNN-Kunstauktion

Was mit einem Facebookpost eines einzelnen Künstlers begann, zieht immer weitere Kreise. Es wird Kritik am Konzept der Kunstauktion laut, doch auch ein schlüssiger und für beide Seiten guter und verträglicher Lösungsansatz vorgeschlagen.

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Ein Kommentar von Christian Rätsch

Knapp 100 Likes sowie 25 Kommentare versammeln sich bereits unter einem Facebook-Post, den der Dresdner Künstler Daniel Rode am 6. Juli 2020 als offenen “Brief” an die Verantwortlichen der DNN-Kunstauktion gerichtet hat. Dort bemängelt er hauptsächlich das unflexible und für beteiligte Künstler*innen nachteilige Versteigerungsprinzip. Jetzt haben sich weitere Künstler*innen schriftlich bei der DNN gemeldet und der diesjährigen Veranstaltung kollektiv eine Absage erteilt.

Doch fangen wir beim Anfang an. Worum geht es Daniel Rode, was kritisiert er? Eine kurze Zusammenfassung:

Laut Rode ist zu beobachten, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt. Somit würden die Werke weit unter den regulären Galeriepreisen versteigert und die Künstler*innen, wenn der Verkaufspreis (wie gehabt) zu gleichen Teilen an die Künstler und an einen wohltätigen Zweck geht, ein schlechtes Geschäft machen. Er bietet stattdessen ein anderes Prinzip an, bei dem dennoch alle Seiten einen Gewinn machen können:

“Mein Kunstwerk kostet in der Galerie 1000 € und wird für 700 € versteigert, die mir als Künstler komplett zustehen. Allerdings ist sehr gut vorstellbar, dass ich vorher anbiete, dass alles über meinem normalen Galerie-Anteil (500 €) als Spende gilt. Und Sie als Veranstalter könnten in diesem Falle auf die Bieter einwirken: „Wir sind noch deutlich unter dem Galeriepreis, legen Sie noch 100 € drauf für den guten Zweck, und sie haben immer noch ein Schnäppchen gemacht (800 € statt 1000 € in der Galerie)!“

Zusätzlich kritisiert er die Intransparenz der diesjährigen Auktion in Hinblick auf den Verwendungszweck der erzeugten Spendensumme. Laut Einladungsschreiben, das auch uns vorliegt, soll der Erlös zu großen Teilen an freischaffende Künstler*innen gehen. Es wird in diesem Schreiben allerdings nicht ersichtlich, ob es dabei ein Vergabekonzept gibt oder eine Jury. Wer also verteilt das Geld und zu welchen Konditionen? Soll es in Form von Projektförderung oder Arbeitsstipendien ausgeschüttet werden? Zu Recht meint Rode daher:

“Ich halte das für absurd. Am Ende werden die selben Künstlerinnen und Künstler, die ihre Arbeiten unter Wert verkaufen, später dann gefördert…”

Rodes Vor- und Denkanstoß an die Verantwortlichen ist zu begrüßen! Er bietet einen guten Kompromiss für alle Beteiligten. Auch stellt er zu keiner Zeit das Projekt als Ganzes in Frage. Würde man seine Vorschläge annehmen, so sei er sofort wieder “mit an Bord”, sagt er abschließend selbst.

Den gesamten Post / offenen “Brief” zum nachlesen, haben wir hier für Dich verlinkt:

Knapp einen Monat nach Rodes Post, haben sich jetzt weitere Künstler*innen zu Wort gemeldet, sich mit seinem offenem “Brief” und den Forderungen solidarisiert und der Auktion gemeinsam Ihre Absage erklärt. Die bereits 26 Künstler*innen formulieren in ihrem Schreiben an die DNN, welches uns ebenfalls vorliegt, den Wunsch über einen konstruktiven Austausch, da es auch in ihrem Interesse läge, dass die Veranstaltung in Zukunft zum Vorteil aller Beteiligten als Teil des Dresdner Kulturlebens weiter stattfinde.

Was mir persönlich seid der Corona-Krise und dem einhergehenden Lockdown (besonders in der Kunst- und Kulturlandschaft) auffällt, ist eine scheinbar erhöhte Sensibilität der Kulturschaffenden in Hinblick auf ihre finanzielle Situation. Ob es nun um die Kritik der DNN-Kunstauktion geht, um fehlende oder mangelhafte Entlohnung oder die prekäre allgemeine Gesamtlage: Immer mehr Künstler*innen akzeptieren es nicht mehr. Das ist gut so und es wäre wünschenswert, wenn sich besagte Berufsgruppe endlich gemeinsam stärkt und ihre Egoismen zur Seite schiebt!

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Beim Thema Kunstauktion hoffe ich, dass die Fronten nicht zu verhärtet sind und sich beiden Seiten zusammensetzen, man sich besagte Kritik zu Herzen nimmt und die DNN-Kunstauktion mit einem überarbeiteten Verfahren weitergeführt wird. Es wäre sonst ja etwas schade darum.

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