Offener Brief zur Situation in Dresden

VASiSTAS hat einen offenen Brief zur Situation in Dresden erhalten. Wir haben diesen Brief mitunterzeichnet und wollen ihn nun hier allen zur Verfügung stellen. Gerne teilen!


 

„Sehr geehrte Damen und Herren,

was passiert, wenn die rechts-konservative Bündnisse im Zuge der anstehenden Wahlen an Macht gewinnen?

Diese Frage steht dieser Tage allerorts und überdeutlich im Raum. Einen sehr konkreten Vorgeschmack darauf, wie sich eine Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse zu Gunsten einer rechts-konservativen Mehrheit allein auf die Bereiche Kultur und Soziales auswirken wird – und schon jetzt auswirkt – gibt die aktuelle Situation im Dresdner Stadtrat. Denn hier ist diese beängstigende Version einer Zukunft bereits in der Realität angekommen – mit verheerenden Folgen. Als Tätige aus den Bereichen Kultur und Soziales in Dresden wenden wir uns an Sie in dieser kommunalpolitischen Angelegenheit, die beispielhaft ist für eine zunehmend rechte Orientierung auf Regierungsebene.

Im November 2018, kurz vor dem Beschluss des Doppelhaushalts 2019/2020 haben drei Abgeordnete die SPD-Fraktion verlassen. Ein Abgeordneter der Linken wechselte zur FDP. Seither bilden CDU, FDP und diese drei ehemaligen SPD-Abgeordneten, die nun als Bürgerfraktion auftreten, eine neue Mehrheit im Stadtrat – wenn sie mit der AFD kooperieren.

Und genau das passiert: bei den bisherigen Abstimmungen traten CDU, FDP, Bürgerfraktion und AFD bereits geschlossen auf. Ein Abstimmungsverhalten, das schon jetzt reaktionäre Züge aufweist, wie sich etwa in der konzeptionellen Rückkehr zur autofreundlichen statt fahrradfreundlichen Stadt am 24. Januar 2019 zeigte.

Auch für noch ausstehende Entscheidungen befürchten wir eine geschlossene Haltung dieses rechts-konservativen Bündnisses und sind in Sorge darüber, wie diese Entscheidungen nachhaltig das soziale und kulturelle Leben in Dresden beeinflussen werden.

Besonders deutlich wird dies im beschlossenen Doppelhaushaushalt 2019/2020. Bereits mit OB Hilbert vereinbarte und beschlossene Fördermittel für zahlreiche Projekte aus den Bereichen kommunaler Kultur, Soziales, Kinder- und Jugendhilfe und Gleichstellung kommen darin nicht mehr vor. Dabei entstehen die Mehrbedarfe als logische Folge steigender Kosten für Personal- und Sachausgaben. In den allermeisten Fällen reden wir hier also nicht von einer tatsächlichen Erhöhung der Förderung, sondern lediglich von einer Anpassung an den objektiv steigenden Bedarf für Personal, Miete etc., wie sie in allen Bereichen passieren. Es geht also hier nicht um ein „Mehr“, sondern um den Erhalt des Status Quo, die Sicherung wichtiger Arbeit in Bereichen, deren Lage ohnehin mehr als prekär ist.

Am 8. Februar wird in einer Sondersitzung des Stadtrats über einen Eilantrag der Rot-Grün-Roten Koalition abgestimmt. Dieser sieht vor, Fördermittel im Bereich Soziales und Kultur zu sichern, welche bisher im Doppelhaushalt nicht berücksichtigt wurden.

Um Ihnen die Situation ein wenig näher zu bringen, wollen wir die Streichung von Fördermitteln am Beispiel der Kulturförderung kurz erläutern:

Allein für den Bereich der Darstellenden Kunst in Dresden wurde ein Mehrbedarf von 2,1 Millionen Euro ermittelt, von denen bis November 2018 immerhin 0,5 Millionen Euro (allerdings für die gesamte Kulturförderung) in die Haushaltsplanung einbezogen wurden. Sollte dem Eilantrag nicht stattgegeben werden, fehlt sogar diese Summe.

Neben größeren kulturellen Institutionen wie der Volkshochschule und der Ostrale (Zentrum für zeitgenössische Kunst e.V.) sind auch viele kleinere Vereine und Projekte betroffen. Der Eilantrag soll deren Erhalt sicherstellen. Die Gelder für Nachbesserungen des Doppelhaushaltes sind faktisch vorhanden, denn der Stadtrat hat genau dafür eine Liquiditätsreserve mit verfügbaren Mitteln in Höhe von 43 Millionen Euro beschlossen.

Am kommenden Freitag soll nun endgültig im Stadtrat über den Eilantrag entschieden werden. Im Finanzausschuss wurde er bereits durch konservative Stimmen abgelehnt, fand allerdings im Sozialausschuss u.a. durch eine Stimme aus der Bürgerfraktion eine knappe Mehrheit. Es ist also noch nicht zu spät! Sollte der Eilantrag abgelehnt werden, würde das nicht nur das Aus für eine Vielzahl guter und wichtiger Projekte bedeuten. Insbesondere vor dem Hintergrund der Bewerbung Dresdens als Kulturhauptstadt Europas wirft eine solche Entscheidung Fragezeichen auf.
Für die Dresdner Stadtgesellschaft bedeutet eine Ablehnung des Eilantrages massive Einschnitte in allen Bereichen, die für ein soziales, kulturelles und demokratisches Miteinander unerlässlich sind. Es bedeutet nicht weniger als die Streichung von Bildungs- und Beratungsangeboten für Menschen, die schon jetzt keine Lobby mehr und Unterstützung dringend nötig haben.

Wir sind davon überzeugt, dass die finanzielle Förderung der Kultur- und Bildungslandschaft als auch der Angebote für Kinder und Jugendliche essentiell ist, wenn es um die nachhaltige Gestaltung einer pluralistischen, offenen und toleranten Gesellschaft geht. Und wir befürchten, dass diese Einschnitte nicht die letzten sein werden.

Schauen Sie nicht weg, wenn in Dresden die Vielfalt in Kultur und Sozialem gefährdet ist! Lassen Sie die Stadträte, die Stadträtinnen und den Oberbürgermeister wissen, dass Sie die kulturellen und sozialen Entscheidungen und Entwicklungen kritisch verfolgen. Zeigen Sie sich solidarisch mit den Kulturschaffenden und Akteuren im Bereich Jugend und Soziales der Landeshauptstadt Dresden, mit unserem Kampf für eine diverse und freie Kulturlandschaft und Gesellschaft.

Lassen Sie nicht zu, dass Dresden kippt.
Dresden, den 6. Februar 2019

Es zeichnen
Adele Schmuck
Amac Garbe | Pressefotograf
Andrea Hilger | Leitung OSTRALE | OSTRALE – Zentrum für zeitgenössische Kunst e.V.
Andreas Schanzenbach | Gründer und Chief Innovation Officer | CROMATICS
Anett Bauer | Bildende Künstlerin | Muah
Anna Till | Choreografin und Tänzerin | situation productions GbR
Anne Pollenleben | Bloggerin und Poetry Slammerin
Antje Hellwig
Antje Wonneberger | Inhaberin Antje Dahm Maskenbild Design und Aufsichtsrätin für Darstellende Kunst | Wir gestalten Dresden
AUDITIVVOKAL
Banda Internationale
Benjamin Butter | Künstler
Bettina Lehmann | production management | situation productions GbR
Björn Lehninger
Carolin Killian |Studierende an der TU Dresden
Charlotte Ünver | Sozialpädagogin
Christian Clauß | Schauspieler
Christina Hrdina |Bürgerin und Mutter
Cindy Hammer | go plastic company, TanzNetzDresden
Claudia Creutzburg |Eltern-Kind-Büro KulturLebenUG Gruna und Prohils/Roter Baum
Cornelia Melzer | Werkstattleiterin Typografie | HfbK Dresden
Daniela Lehmann | Choreografin
Daniela Tonk | Geschäftsführerin | Johannstädter Kulturtreff e.V.
Die Mitglieder des Hole of Fame e.V. Dresden
Dorit Kämpfer
Dorothea Roggan | Freie Landschaftsarchitektin
Dr. Thomas Ranneberg
Dr. Willi Hetze | Vorsitzender Dresdner Literaturner e.V-
Elisabeth Venus
Ellen Demnitz-Schmidt | SPIKE Dresden
Fabian Günther | Sozialarbeiter
Francesca Lötscher Jöhnk alias Koko La Douce | Internationale Burlesque Ikone
Franziska Kusebauch | Freiberufliche Tanzschaffende, Zirkuspädagogin
Franziska Liebe
Frauen*bildungszentrum – Hilfe zur Selbsthilfe
Friedelbert Heidrich | stellvertr. Vorsitzender Literaturner e.V.
Friedrich Schlüter | URGE TO MOVE / FRIMAR Solutions GbR / DAVE Tolerave | Kulturhauptstadt Förderverein
Gaby Pietzschmann | kulturbewusste Bürgerin und ehemalige Einwohnerin der Stadt Dresden
Galerie Stephanie Kelly
Gerd Lohse
Gerede e.V.
Grit Karchow
Heike Zadow | Freie Kulturproduzentin | TanzNetzDresden, the guts company, Villa Wigman
Helge-Björn Meyer | Geschäftsführer Landesbüro Darstellende Künste Sachsen e.V.
Henning Wenzel | Autor
Holm Pinkert | Architekt | Architektur.Werk Pinkert
Irina Claußnitzer | Siebdruckerin | HfbK Dresden
Irina Koch | Mitarbeiterin Öffentlicher Dienst im Freistaat Sachsen
Iris Meusemann | Büro für Kulturvermittlung, Projektberatung und Veranstaltungsmanagement
Isaac Spencer | Freiberuflicher Tänzer, Tanzlehrer. Choreograph
Isolde Matkey | Dipl.-Musikwissenschaftlerin | tristan ProductionI Management I Event UG
Jacqueline Annett Künzel
Jan Kossick | Kulturmanager und Musiker
Jan Wilde | Zeitgebilde UG
Janik Fechtelpeter
Janine Splettstößer
Jenny Coogan | Professorin für Zeitgenössischen Tanz | Palucca Hochschule für Tanz Dresden
Jens Besser | Bildender Künstler und Organisator des Kulturhauptstadtbewerbungsprojekts GhettoResidency
LackStreicheKleber e.V.
Jessica Flecks
Johannes Am Ende | Künstlerischer Mitarbeiter | HfbK Dresden
Jörg Schwertdfeger | Umweltwissenschaftler und Regieassistent
Josefa Hose | Kulturproduzentin | Kultopia gGmbH
Josefine Schulz | Künstlerin | Schimmel Projects- Art Centre Dresden
Josefine Wosahlo | Freie Kulturproduzentin, Dipl. Tanzpädagogin, Tänzerin | the guts company e.V., Villa Wigman für TANZ e.V., TanzNetzDresden
Joshua Nowak
Jula Skomski
Julia Langhammer | PYLON-Lab
Kaddi Cutz | Poetry Slammerin, Autorin, Moderatorin
Katharina Hunsicker-Biederbeck | Studentin der Sozialen Arbeit | TU Dresden
Katharina Kersten | ARMADA OF ARTS
Kevin Sura
KlangNetz-Dresden e.V.
Konstantin Gröber
Kultur sucht Raum
Künstlerbund Dresden e.V.
Lennart Happe
Lisa Pfau
Luca Spliethoff | wissenschaftliche Mitarbeiterin | TU Dresden
Magdalena Weniger | Tanz- und Performanceschaffende | KOMA
Maren Ledworuski | Ergotherapeutin
Maria Liebe | Poetry Slammerin
Maria Nitsche | Freiberufliche Tanzpädagogin
Marie Hänsel | Sängerin | Youkali GbR
Marie Michael
Marie Neumann
Marie Sanders | Autorin
Marita Matzk | Studio für Tanzkörpertraining
Mark Greiser | URGE TO MOVE / FRIMAR Solutions GbR
Martin Büst
Maximilian Stühlen | Schimmel Projects- Art Centre Dresden
Melanie Köhn
Melanie Wahl | Projektmanagerin
Mirjam Hoff | Vorstandsmitglied Literaturner e.V.
Moritz Siegel | freier Lektor und Autor
Natalie Wagner | Choreografin | TanzNetzDresden
Neustadtpiraten (Piratenpartei Ortsverband Dresden-Neustadt)
Nicole Meyer | tristan ProductionI Management I Event UG
Nora Schruth | ARMADA OF ARTS
Noriko Melchior | Freiberufliche Tänzerin
Offener Kindertreff des Kinderladens Känguruh e.V.
Olaf Georgi | Vorstand | Sinfonietta Dresden e.V.
Olek Konrad Witt | Theaterregisseur, Schauspieler, Theaterpädagoge
Peter Tirpitz | Peter Tirpitz Kulissenbau
Petra Schwarzer | Rentnerin
Philipp Demankowski | Pressesprecher | DAVE Festival
Quartiermeister e.V.
Rasmus Roos Lindquist| Schimmel Projects- Art Centre Dresden
Roberto Krebs | DAVE Festival
Romy Schwarzer| Tänzerin, Choreografin
Sara Reuter
Sarah Hoemske | ARMADA OF ARTS
Sascha Möckel
scheune e.V. | Soziokulturelles Zentrum
Serkowitzer Volksoper e.V.
sowieso KULTUR BERATUNG BILDUNG
Stadtteilhaus Dresden-Äußere Neustadt e.V.
Stadtteilrunde Dresden-Neustadt
Stephan Janicki | Musiker und Moderator
Stephan Philipp | DJ und Veranstalter Tolerave
Susan Schubert | Dipl.-Tanzpädagogin, freie Dramaturgin, Choreografin | TENZA schmiede, go plastic company, TanzNetzDresden
Susanne Seifert | Kulturmanagerin, Hörfilmautorin, Mediengestalterin)
Svea Duve | Bildende Künstlerin
Sven Voigt | Leiter der Filmgalerie Phase IV e.V.
Tabea Wittulsky | Tänzerin
Thomas Preibisch | Institut für Gute Laune
Thomas Schmelzer | PYLON-Lab
Thomas Thorausch | Stellv. Archivleiter Deutsches Tanzarchiv Köln
Tim Vetterlein | kulturbewusster Bürger und ehemaliger Einwohner der Stadt Dresden
Trans-Media-Akademie Hellerau e.V. // CYNETART Festival
VASISTAS Magazin
Villa Wigman für TANZ e.V.
Wassily Nemitz |Politikwissenschaftler
Yaelle Dorison | Clownin und Sozialpädagogin

„I try to operate on that emotional, visceral level – just put a mark down and respond“


Working on a magazine and simultaneously curating a show in NYC, artist Madeleine Dietrich has had some busy weeks. An interview about intimacy, events production and the future of art shows.

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Auf den Spuren der Wahrnehmung – „SPOOR“: Ausstellung der Pilotenkueche in Leipzig

Wer Leipzig kennt, ist nicht mehr zwangsläufig überrascht vom alten Industriecharme und dem Leerstand in der Stadt. Vielmehr hegt die Angst vor der Gentrifizierung. Und während sich so langsam Supermarkt an Supermarkt reiht und Freiräume an Konzerne verloren gehen, finden sich hin und wieder doch noch positive Beispiele und kreative Ideen für die Nutzung von Leerstand.

Gastbeitrag von Julia Gollan

Ein herausragendes Beispiel sind die alten Dietzold Werke in Leipzig Lindenau. Hier haben Ateliers unter anderem das Internationale Kunstprogramm “Pilotenkueche” Einzug gefunden. Das Programm bietet internationalen Künstler*innen die Chance sich drei Monate lang kreativ auszutoben und ihre Fortschritte in insgesamt vier Ausstellungen zu präsentieren.

Nachdem ich mir bei der dritten Ausstellung des Programms “Speech Bubble in der alten Handelsschule in Leipzig bereits einen kleinen Eindruck verschaffen konnte, habe ich mich umso mehr auf die finale Ausstellung “SPOOR” gefreut.

Nicht nur, weil mich “Speech Bubble” sehr neugierig gemacht hat, sondern auch, weil ich auf die Räumlichkeiten und die Atmosphäre des alten Werks gespannt war. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

David Benarroch, Installationen / Foto: Julia Gollan

“SPOOR” auf den Spuren der Wahrnehmung

An einem düsteren Samstag Nachmittag mache ich mich also auf den Weg zur Ausstellung “SPOOR”, kaum ein Licht kündigt die Ausstellung an, erst als mich auf den alten, noch nicht sanierten Eingangsbereich zubewege leuchtet mir ein Bewegungsmelder den Weg in den zweiten Stock, die tiefen Stiegen hinauf.

Ein Haufen Laub, alte, von der Decke hängende Tischbeine und eine Videoinstallation empfangen mich.

Tamaki Kawaguchis Installation “Auwald” ist angelehnt an die Märchen der Gebrüder Grimm und spiegelt die Suche nach einer Verbindung zwischen deutschen und osteuropäischen Wäldern wieder. Die Installation steht für mich sinnbildlich für die Intention der gesamten Ausstellung.

Tamaki Kawaguchis, Auwald (2018) / Foto: Julia Gollan

Die Intention

“SPOOR” ist ein niederländisches Wort und steht für die Spur oder den Weg.

Ziel der einzelnen Künstler*innen war es der eigenen Wahrnehmung zu folgen, sich also auf ihrer Spur zu bewegen, so beschreibt es Kuratorin Viviane Tabach. Neben den künstlerischen Aspekten geht es dabei auch um den innerlichen Prozess, den die Künstler*innen während ihres dreimonatigen Aufenthalts durchleben.

Der Umgang mit unterschiedlichsten Materialien und Objekten des Alltags spielen dabei eine große Rolle, denn sie begegneten den Künstler*innen auf ihrem Weg.

Die Betrachter*innen werden durch sieben Kapitel geführt: “Collapse and Entropy”; “The Body as an Architectural Structure”; “Ambivalence”; “Time and its Graphical Form”; “Lightness”; “Particular Collection” und “The Invention of the Landscape”. Die Werke sind sowohl anhand ihrer Ähnlichkeit als ihren Kontrast arrangiert und sollen dabei einen Zustand der Symbiose ergeben.

Mein Weg durch die Ausstellung

Im Hinterkopf begleitet durch die sieben genannten Kapitel, lasse ich mich von meiner eigenen Wahrnehmung führen und nehme mir viel Zeit Details zu betrachten.

Dabei sticht mir immer wieder das besondere Arrangement von Materialien und Formen ins Auge.

David Benarroch begrüßt die Betrachter*innen mit “Welcome”, einer Fußmatte – aus dem Alltag gegriffen. Er arrangiert Objekte wirr und kreiert aus zusammenhanglosen Gegenständen Neues. In “Milk” platziert er auf einer Platte aus Metall, gestützt auf einem Pfahl, Zuckerwürfel oder schafft ein mit “Midnight Bar” ein einzigartiges Wandobjekt, in dem er Hosenträger, von einer Zigarette gestützt, über einen Holzbogen spannt.

David Benarroch, Midnight Bar (2018) / Foto: Julia Gollan

Neben Objekten und Installationen finden sich auch Fotografien und Malereien an den Wänden wieder. Auch hier spielt das Arrangement eine große Rolle. Jan Yongdeok Lim verarbeitet in seinem Gemälde “Barkeeper” Eindrücke aus Literatur, Film und Musik und kreiert aus sechs einzelnen Leinwänden ein farbintensives Gesamtwerk.

Jan Yongdeok Lim, Barkeeper (2018) / Foto: Julia Gollan

Außerdem spielt die Zeit, als ein Element der menschlichen Wahrnehmung, eine Rolle und wird im Kapitel “Time and its Graphical Form” verarbeitet. Heraus sticht dabei Georg Liseks Video “Entrance”. Während der Titel mehrere Räume impliziert, sieht der Betrachter stattdessen einen weißen futuristischen Säulengang in Endlosschleife. Charmant abgespielt auf einem alten Röhrenfernseher – Vergangenheit verbindet sich hier mit Zukunftsvisionen.

Georg Lisek, Entrance / Foto: Julia Gollan

“High – Light“

Zeit vergeht auch, während ich durch die Ausstellung streife. Ein zweiter oder dritter Besuch hätte mir sicherlich noch viele neue Details eröffnet und so bewege ich mich schon etwas “übereindruckt” zum letzten Kapitel “Lightness”. Eine schwarze Plane schafft innerhalb des Raums eine weitere in sich abgegrenzte Fläche mit einem Zugang zur “Außenwelt” durch das geöffnete Fenster.

Zögerlich trete ich durch den Schlitz in der Plane und wider Erwarten geht ein Licht auf. Ein integrierter Bewegungsmelder eröffnet mir mein ganz persönliches Highlight. Finn Curry gelingt es Objekte der Vergänglichkeit unsterblich werden zu lassen. Er arrangiert einfache Funde aus der Natur in Plastikgefäßen – ein leerer Tomatenstiel, Baumsaat, Samen und vieles mehr. Tritt man in den Raum werden die einzelnen Objekte beleuchtet. Sie erscheinen dadurch als wertvolle Naturfunde. Man schreibt ihnen ganz plötzlich Bedeutung zu.

Die letzte Spur

Beim Verlassen der Ausstellung verschmelzen alle Eindrücke. “SPOOR” hat viel Input geliefert und vor allem eines gezeigt: Den persönlichen und kreativen Prozess der Künstler*innen während ihrer Zeit innerhalb des dreimonatigen Programms.

Abschließend sperre ich mein Fahrrad an einem Überbleibsel einer alten Mauer vor dem Gebäude ab. Eine alte D-Mark fällt mir aus meiner Manteltasche. Ich nehme nur das Klimpern war, verliere aber aufgrund der Dunkelheit ihre Spur. Das Licht des Bewegungsmelders geht wieder an und da ist sie – die alte Münze. Ein Relikt der Vergangenheit auf alten Boden, der eine neue, optimale Nutzung erfahren hat.

“Man muss die Grenzen erst einmal aufzeigen, um sie durchbrechen zu können.”


Mit der Anfang Oktober 2018 eröffneten Ausstellung “Abnormale Kunst” tritt Nori Blume nicht nur als Künstlerin auf, sondern agiert gleichzeitig auch als Kuratorin von 20 teilnehmenden Leipziger und Dresdner Künstler*innen. Ein Gespräch über ihre Kunst, die Auseinandersetzung mit Queer Art, dem Anderssein und dem damit einhergehenden Gefühl des Verlorenseins.

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“An den Tanz sowie an die Kunst muss man mit Selbstreflexion herangehen”


Die gebürtige Dresdnerin Julia Sophie Kunde bereitet derzeit ihre Diplomarbeit im Studiengang Graphik an der Burg Giebichenstein in Halle (Saale) vor. Seit April ist sie zusammen mit elf weiteren Künstler*innen Teil des Ateliers Phyllis Johnson in der Spinnerei in Leipzig. Dort hat sie sich mittlerweile einen Proberaum zum Tanzen eingerichtet.

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Abnormale Kunst – wie anders kann anders sein?


Wie eine bereits im Vorfeld unter Künstler*innen kontrovers diskutierte Ausstellung Themen behandelt, die bereits in der Gesellschaft integriert sein sollten – und es dennoch nicht sind. Ein Preview auf “abnormale” Kunst.

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