Bei den Fischen schlafen – die Unterwasserausstellung “The Rock”


Die Unterwasserausstellung “The Rock” von Tobi Keck präsentierte am 15. August einen Tag lang künstlerische Positionen von 24 Künstler*innen im Westbruch Brandis bei Leipzig. Inwiefern machte der Rahmen hierbei die Kunst?

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Dresden ist ein bedeutender Standort für Technologie & Forschung. Doch was hat die lokale Kunstszene davon?

Besonders in Reiseführern, auch unter Touristen wird Dresden oft und gerne mit der italienischen Stadt Florenz verglichen und trägt so den Beinamen “Elbflorenz”. Doch auch ein bekanntes Zentrum der Halbleiter- und Computertechnologie in Kalifornien (USA) hat hier bei uns einen Namensvetter: Was die Amerikaner Silicon Vally nennen, heißt bei den Sachsen (keep it simple) “Silicon Saxony“!

Dresden gehört mit seinen zahlreichen Unternehmen aus der Technologie- und Forschungsbranche ebenfalls zu diesem sogenannten “Spitzencluster”, der sich im Raum um die Städte Dresden, Freiberg und Chemnitz angesiedelt hat. Seit Gründung im Jahr 2008 erfährt dieser Cluster in Sachsen ein enormes Wachstum und eine scheinbar unendliche Dynamik.

Spiegelt sich diese Entwicklung auch in der lokalen (Medien)Kunstszene wider? Welche Anknüpfungspunkte können entstehen? Welche Potenziale schlummern dort (noch) im Verborgenen? Gibt es Hindernisse & Probleme? Welche Netzwerke gibt es oder sollten in Zukunft zwischen Wirtschaft und Kunst/Kultur gespannt werden?

Um diese und andere Fragen zu klären oder auch gemeinsam neue zu entwicklen laden jetzt das Amt für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden gemeinsam mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste erstmalig am 10.9.2019 von 11 bis 17 Uhr zum “Fachtag DIGITALE TRANSFORMATION und MEDIENKUNST” ins Festspielhaus ein.

Vorab wird ein Einblick in die aktuelle Situation in der Region geworfen. Danach stellen nicht nur Akteure und Akteurinnen der lokalen Medienkunstszene sich und ihre Visionen, Vorstellungen und Pläne vor sondern auch etablierte Institutionen und die Kulturverwaltung kommen zu Wort.

So soll der Fachtag DIGITALE TRANSFORMATION und MEDIENKUNST eine Gelegenheit geben, eine gemeinsame Zukunft für die Medienkünste in Dresden zu entwickeln.

Alles noch einmal im Überblick:

Fachtag DIGITALE TRANSFORMATION und MEDIENKUNST
Am: 10.09.2019
Von: 11:00 bis 17:00 Uhr
Im: Dalcroze-Saal (Festspielhaus HELLERAU)
Karl-Liebknecht-Straße 56
01109 Dresden

EINTRITT IST KOSTENLOS!

Das detaillierte Programm findest Du hier:
https://www.hellerau.org/de/event/fachtag-medienkunst/

(Titelfoto: © Stephan Floss)

Kennst du eigentlich? Heute: Galerie Gebr. Lehmann


Heute startet unsere neue Interview-Reihe “Kennst du eigentlich?”. Ab sofort stellen wir dir hier Orte vor, an denen Kunst gemacht, gezeigt, besprochen oder anderweitig zelebriert wird. In 10 Fragen und 10 Antworten lernst du nicht nur die Räume, sondern auch die Verantwortlichen dahinter besser kennen.

Den Anfang in unserer Serie machen Frank und Ralf Lehmann von der gleichnamigen Galerie  Gebrüder Lehmann. Ein echtes Urgestein mit Tradition in der Dresdner Galerielandschaft.

Von Isabella Engelhardt & Paula Wunderlich

VASiSTAS:
Stellt euch doch erst einmal vor, wer seid ihr denn überhaupt?

Galerie Gebr. Lehmann:
Galerie Gebr. Lehmann bedeutet Gebrüder, also mindestens zwei. Wir sind Frank und Ralf Lehmann und leiten die Galerie seit 30 Jahren. Frank ist rund fünf Jahre jünger. Wir haben weder Kunst noch Kunstgeschichte studiert.
Die Kennerschaft ist durch Liebe zur Kunst und die Nähe zu den Künstler*innen entstanden. Das kann man nicht studieren.

Frank und Ralf Lehmann. Foto: Galerie Gebr. Lehmann

 

“Mittlerweile ist hier die höchste Konzentration mit Orten für zeitgenössische Kunst in Dresden entstanden.”

 

VASiSTAS:
Wo findet man euch?

Galerie Gebr. Lehmann:
Seit einem reichlichen Jahr ist die Galerie am Neustädter Markt 11/12, mit Blick auf den Goldenen Reiter und den tollen Brunnen von Friedrich Kracht aus den 70er Jahren; auf das Blockhaus, welches das Archiv der Avantgarden von Egidio Marzona aufnehmen wird; zur Semperoper und zu den tollen Sonnenuntergängen, die nach Caspar David Friedrich aussehen. Nach Ewigkeiten im Hinterhof eine Offenbarung!

Mittlerweile ist hier die höchste Konzentration mit Orten für zeitgenössische Kunst in Dresden entstanden. Wenn ihr Glück habt, trefft ihr uns auch persönlich in der Galerie. Aber unser Team ist mindestens genauso gut wie wir!

Ausstellungsansicht von Lara Schnitger “Don’t Let The Boys Win.” in der Galerie Gebr. Lehmann vom 26.09.2017 bis 11.11.2017. Foto: David Pinzer

 

VASiSTAS:
Und wo findet man euch, wenn ihr gerade nicht in der Galerie seid?

Galerie Gebr. Lehmann:
Viel in Berlin, oft auf Messen, weltweit zu Ausstellungen von unseren Künstler*innen, Sammler*innen besuchen. Die Welt wird quasi fremdgesteuert erobert, dafür umso überraschender.

VASiSTAS:
Wie kam Dresden zu euch?

Galerie Gebr. Lehmann:
Wir waren schon da, quasi schon immer, in Dresden. Später kamen dann die richtigen Künstler*innen und auch Freund*innen dazu. Der Kreis wurde immer größer, reicht von Los Angeles bis Tokyo.

VASiSTAS:
Gibt es einen Moment, der euch besonders im Kopf geblieben ist?

Galerie Gebr. Lehmann:
Ganz viele!!! Begegnungen mit Curt Querner, Penck, Willy Wolff; unsere erste Eröffnung, als Christoph Tannert sprach; die erste Einzelausstellung eines Künstlers von uns Mitte der 90er Jahre in New York, wo wir uns ein billiges Hotelzimmer teilen mussten, weil wir kein Geld hatten. Und dann alle Galerieumzüge mit großen Festen.

Ausstellungsansicht “Textiles” in der Galerie Gebr. Lehmann vom 03.11.2018 bis 12.01.2019. Foto: David Pinzer

 

VASiSTAS:
Warum braucht euch Dresden?

Galerie Gebr. Lehmann:
Dresden braucht mehr als nur uns: eine gut funktionierende Szene für zeitgenössische Kunst. In der Äußeren Neustadt ist das alles eingeschlafen, aber am Neustädter Markt passiert richtig was. Das muss aber alles eigenständig bleiben und nicht von Kulturhauptstadtbewerbungen abhängig sein.

 

“Von unseren Künstler*innen werden wir noch immer inspiriert, sie verändern unseren Blick auf die Welt weiterhin.”

 

VASiSTAS:
Wer oder was hat euch inspiriert bzw. tut das vielleicht immer noch?

Galerie Gebr. Lehmann:
Die oben genannten Künstler*innen und besonders auch Wilhelm Müller. Mit Ihrer jeweiligen Kompromisslosigkeit was die eigene Kunst betrifft und Kunst allgemein. Müller hat damals unsere Künstler*innen auch wegen seiner gewagten Farbkombinationen begeistert. Und natürlich werden wir von ihnen noch immer inspiriert, sie verändern unseren Blick auf die Welt weiterhin.

VASiSTAS:
Was steht in Zukunft an?

Galerie Gebr. Lehmann: 
Unsere relativ neuen Räume immer weiter auszutesten und zu vereinnahmen, hoffentlich viele tolle Ausstellungen und ganz viel unterwegs zu sein für und mit unseren Künstler*innen. Die exotischsten sind Havekost in Los Angeles und Lüning auf der Kinderbiennale in Singapur.

VASiSTAS:
Was sollte man in nächster Zeit auf gar keinen Fall verpassen oder was kann man sich guten Gewissens sparen?

Galerie Gebr. Lehmann:
Die Ausstellung “Gegen die Unsichtbarkeit” im Japanischen Palais. Die vergessenen Frauen von Hellerau, mit tollen Objekten, tollem Design, sichtbar machen einer verrückten Epoche in Hellerau. Nichts Sehenswertes ist mir zum Glück gerade nicht untergekommen, habe wohl gut vorsortiert.

 

“Kunst hört nie auf Spaß zu machen.”

 

VASiSTAS:
Habt Ihr zum Ende noch ein treffendes Schlusswort oder eine Lebensweisheit für unsere Leser*innen?

Galerie Gebr. Lehmann:
Kunst hört nie auf Spaß zu machen, die Kennerschaft zu entwickeln ist nie zu Ende, immer offen für Überraschungen zu bleiben. Die Welt mit den Augen der Künstler*innen zu sehen ist immer wieder spannend und keinen Stillstand zulassen.

 


Aktuell gibt es  noch bis zum 27. April 2019 Lisa Pahlke mit ihrer Ausstellung zu sehen.

Die Galerie Gebr. Lehmann ist dienstags bis freitags von 11.00 Uhr bis 18.00 und samstags von 11.00 Uhr bis 16.00 geöffnet.

Noch mehr Informationen über vergangene, laufende und kommende Ausstellungen findest du auf ihrer Website. 

Du willst über einen ganz bestimmten Ort noch mehr wissen? Dann schreib uns gerne, was dich noch interessiert!

„I try to operate on that emotional, visceral level – just put a mark down and respond“


Working on a magazine and simultaneously curating a show in NYC, artist Madeleine Dietrich has had some busy weeks. An interview about intimacy, events production and the future of art shows.

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Auf den Spuren der Wahrnehmung – „SPOOR“: Ausstellung der Pilotenkueche in Leipzig

Wer Leipzig kennt, ist nicht mehr zwangsläufig überrascht vom alten Industriecharme und dem Leerstand in der Stadt. Vielmehr hegt die Angst vor der Gentrifizierung. Und während sich so langsam Supermarkt an Supermarkt reiht und Freiräume an Konzerne verloren gehen, finden sich hin und wieder doch noch positive Beispiele und kreative Ideen für die Nutzung von Leerstand.

Gastbeitrag von Julia Gollan

Ein herausragendes Beispiel sind die alten Dietzold Werke in Leipzig Lindenau. Hier haben Ateliers unter anderem das Internationale Kunstprogramm “Pilotenkueche” Einzug gefunden. Das Programm bietet internationalen Künstler*innen die Chance sich drei Monate lang kreativ auszutoben und ihre Fortschritte in insgesamt vier Ausstellungen zu präsentieren.

Nachdem ich mir bei der dritten Ausstellung des Programms “Speech Bubble in der alten Handelsschule in Leipzig bereits einen kleinen Eindruck verschaffen konnte, habe ich mich umso mehr auf die finale Ausstellung “SPOOR” gefreut.

Nicht nur, weil mich “Speech Bubble” sehr neugierig gemacht hat, sondern auch, weil ich auf die Räumlichkeiten und die Atmosphäre des alten Werks gespannt war. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

David Benarroch, Installationen / Foto: Julia Gollan

“SPOOR” auf den Spuren der Wahrnehmung

An einem düsteren Samstag Nachmittag mache ich mich also auf den Weg zur Ausstellung “SPOOR”, kaum ein Licht kündigt die Ausstellung an, erst als mich auf den alten, noch nicht sanierten Eingangsbereich zubewege leuchtet mir ein Bewegungsmelder den Weg in den zweiten Stock, die tiefen Stiegen hinauf.

Ein Haufen Laub, alte, von der Decke hängende Tischbeine und eine Videoinstallation empfangen mich.

Tamaki Kawaguchis Installation “Auwald” ist angelehnt an die Märchen der Gebrüder Grimm und spiegelt die Suche nach einer Verbindung zwischen deutschen und osteuropäischen Wäldern wieder. Die Installation steht für mich sinnbildlich für die Intention der gesamten Ausstellung.

Tamaki Kawaguchis, Auwald (2018) / Foto: Julia Gollan

Die Intention

“SPOOR” ist ein niederländisches Wort und steht für die Spur oder den Weg.

Ziel der einzelnen Künstler*innen war es der eigenen Wahrnehmung zu folgen, sich also auf ihrer Spur zu bewegen, so beschreibt es Kuratorin Viviane Tabach. Neben den künstlerischen Aspekten geht es dabei auch um den innerlichen Prozess, den die Künstler*innen während ihres dreimonatigen Aufenthalts durchleben.

Der Umgang mit unterschiedlichsten Materialien und Objekten des Alltags spielen dabei eine große Rolle, denn sie begegneten den Künstler*innen auf ihrem Weg.

Die Betrachter*innen werden durch sieben Kapitel geführt: “Collapse and Entropy”; “The Body as an Architectural Structure”; “Ambivalence”; “Time and its Graphical Form”; “Lightness”; “Particular Collection” und “The Invention of the Landscape”. Die Werke sind sowohl anhand ihrer Ähnlichkeit als ihren Kontrast arrangiert und sollen dabei einen Zustand der Symbiose ergeben.

Mein Weg durch die Ausstellung

Im Hinterkopf begleitet durch die sieben genannten Kapitel, lasse ich mich von meiner eigenen Wahrnehmung führen und nehme mir viel Zeit Details zu betrachten.

Dabei sticht mir immer wieder das besondere Arrangement von Materialien und Formen ins Auge.

David Benarroch begrüßt die Betrachter*innen mit “Welcome”, einer Fußmatte – aus dem Alltag gegriffen. Er arrangiert Objekte wirr und kreiert aus zusammenhanglosen Gegenständen Neues. In “Milk” platziert er auf einer Platte aus Metall, gestützt auf einem Pfahl, Zuckerwürfel oder schafft ein mit “Midnight Bar” ein einzigartiges Wandobjekt, in dem er Hosenträger, von einer Zigarette gestützt, über einen Holzbogen spannt.

David Benarroch, Midnight Bar (2018) / Foto: Julia Gollan

Neben Objekten und Installationen finden sich auch Fotografien und Malereien an den Wänden wieder. Auch hier spielt das Arrangement eine große Rolle. Jan Yongdeok Lim verarbeitet in seinem Gemälde “Barkeeper” Eindrücke aus Literatur, Film und Musik und kreiert aus sechs einzelnen Leinwänden ein farbintensives Gesamtwerk.

Jan Yongdeok Lim, Barkeeper (2018) / Foto: Julia Gollan

Außerdem spielt die Zeit, als ein Element der menschlichen Wahrnehmung, eine Rolle und wird im Kapitel “Time and its Graphical Form” verarbeitet. Heraus sticht dabei Georg Liseks Video “Entrance”. Während der Titel mehrere Räume impliziert, sieht der Betrachter stattdessen einen weißen futuristischen Säulengang in Endlosschleife. Charmant abgespielt auf einem alten Röhrenfernseher – Vergangenheit verbindet sich hier mit Zukunftsvisionen.

Georg Lisek, Entrance / Foto: Julia Gollan

“High – Light“

Zeit vergeht auch, während ich durch die Ausstellung streife. Ein zweiter oder dritter Besuch hätte mir sicherlich noch viele neue Details eröffnet und so bewege ich mich schon etwas “übereindruckt” zum letzten Kapitel “Lightness”. Eine schwarze Plane schafft innerhalb des Raums eine weitere in sich abgegrenzte Fläche mit einem Zugang zur “Außenwelt” durch das geöffnete Fenster.

Zögerlich trete ich durch den Schlitz in der Plane und wider Erwarten geht ein Licht auf. Ein integrierter Bewegungsmelder eröffnet mir mein ganz persönliches Highlight. Finn Curry gelingt es Objekte der Vergänglichkeit unsterblich werden zu lassen. Er arrangiert einfache Funde aus der Natur in Plastikgefäßen – ein leerer Tomatenstiel, Baumsaat, Samen und vieles mehr. Tritt man in den Raum werden die einzelnen Objekte beleuchtet. Sie erscheinen dadurch als wertvolle Naturfunde. Man schreibt ihnen ganz plötzlich Bedeutung zu.

Die letzte Spur

Beim Verlassen der Ausstellung verschmelzen alle Eindrücke. “SPOOR” hat viel Input geliefert und vor allem eines gezeigt: Den persönlichen und kreativen Prozess der Künstler*innen während ihrer Zeit innerhalb des dreimonatigen Programms.

Abschließend sperre ich mein Fahrrad an einem Überbleibsel einer alten Mauer vor dem Gebäude ab. Eine alte D-Mark fällt mir aus meiner Manteltasche. Ich nehme nur das Klimpern war, verliere aber aufgrund der Dunkelheit ihre Spur. Das Licht des Bewegungsmelders geht wieder an und da ist sie – die alte Münze. Ein Relikt der Vergangenheit auf alten Boden, der eine neue, optimale Nutzung erfahren hat.

“Man muss die Grenzen erst einmal aufzeigen, um sie durchbrechen zu können.”


Mit der Anfang Oktober 2018 eröffneten Ausstellung “Abnormale Kunst” tritt Nori Blume nicht nur als Künstlerin auf, sondern agiert gleichzeitig auch als Kuratorin von 20 teilnehmenden Leipziger und Dresdner Künstler*innen. Ein Gespräch über ihre Kunst, die Auseinandersetzung mit Queer Art, dem Anderssein und dem damit einhergehenden Gefühl des Verlorenseins.

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