Kühl und unnahbar? Nein, ein Raum voller spannender Assoziationen und Geschichten!


Marit Wolters entführt mich in ihrer Ausstellung “LEVELING IT UP” im EX14 am Albertplatz in einen Raum voll spannender und assoziativer Arbeiten, die teilweise zu reinen Formen und Strukturen verschwimmen, mir aber so ganz eigene Geschichten erzählen.

Die Künstlerin Marit Wolters, die momentan in Wien lebt und arbeitet, zeigt in ihrer Ausstellung mehrere Reliefplatten unterschiedlicher Formate, Fotografien und Objekte.

Zwei Wandreliefs und eine Skulptur an der Wand die an asiatische Baugerüste erinnert.

Am Ende des Eingangskorridors entdecke ich sofort eine Skulptur, die simpler kaum sein könnte. Mehrere Stahlstangen sind zu zwei versetzten Gittern, die zwei Ebenen bilden, zusammengefügt. Lediglich ein dünnes blaues Seil, das um die Stangen gebunden ist, erzeugt die Verbindung. Angelehnt an den Hochbau in Asien (die Künstlerin verbrachte einige Zeit in China), zeigt es mir die Gefahr, der sich die Bauarbeiter dort tagtäglich aussetzen. Gleichzeitig liegt in dieser Konstruktion, die vorort meistens lediglich aus Bambus und Schilf hergestellt wird, aber auch die Schönheit der Einfachheit.

Die Fotografien wirken wie Referenzen auf das künstlerische Interesse Marit Wolters. Teilweise deute ich sie aber auch als Bindeglied zu einigen Reliefarbeiten und sie erfüllen so scheinbar eine ikonografische Aufgabe der Verortung. Dennoch führt mich die Künstlerin gekonnt auf einen Irrweg und spielt mit meiner Assoziation an verputzte Hausfassaden und deren eigentümliche Strukturen. Es bleibt aber offen, ob der Ursprung der Reliefs tatsächlich dort zu finden ist. An den verputzten Wänden des Ausstellungsraumes wirkt es allerdings fast so, als würden sie diese erweitern,  eine Symbiose mit Ihnen herstellen.
Bei genauerer Betrachtung bemerke ich, dass einige der Reliefs Rückstände von Materialien aufweisen. Ist das vielleicht ein Hinweis auf Herstellung und Ursprung? Oder dienen sie einfach als grafisches Element? Ein wenig fallen diese Arbeiten aus dem sonst eher “aufgeräumten” Kontext heraus. Wirken sie doch in ihrer Art verspielt und reißen mich kurz aus meinem Forscherdrang.

Die Bienenwachsblöcke, die ich in der Mitte des größeren Ausstellungsraumes entdecke, sind sorgfältig zu einer kleinen Mauer aufgebaut. Kurz erinnern sie mich ein wenig an Joseph Beuys und seine Arbeiten aus Fett. Als sie mir aber an unerwarteter Stelle nochmals im Ausstellungsraum begegnen, fühle ich mich fast wie ein Kind, das für seine Aufmerksamkeit belohnt wird.

Mehr Informationen zur Künstlerin und zum Projektraum EX14 gibt es hier:
Marit Wolters, EX14 Raum für zeitgenössische Kunst

 

facebook-profile-picture

written by Christian Raetsch

founder of VASISTAS, administrator, project-coordinator | Diploma in Fine Arts, lives and works in Dresden, Germany

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.